Dissertation/Thesis Abstract

The Modernity of Witchcraft in the Ghanaian Online Setting
by Riahi, Idris Simon, Ph.D., Universitaet Bayreuth (Germany), 2017, 285; 27603235
Abstract (Summary)

In der vorliegenden Forschung wurden Hexereidiskurse im gegenwärtigen Ghana untersucht. Hier besteht die Besonderheit darin, dass das Internet als Quelle für eine solche Studie zugänglich gemacht und ergiebig genutzt wurde. Dieser Zuschnitt folgt dem Ziel, einen größtmöglichen Umfang an Stimmen und Meinungen zum Thema einzufangen. Somit rücken alternative Stimmen zum Thema in den Vordergrund. In der bisherigen Forschung wurden vornehmlich Expertenmeinungen von Mitgliedern der Kirchen, den Betroffenen von Hexereianklagen oder anderen unmittelbar und lokal eingebundenen Akteuren gehört. Die vorliegende Studie liefert ein Kontrastprogramm, in welchem die heterogene Gruppe von Teilnehmern der Onlinediskurse, bestehend aus Journalisten, Kolumnisten und Lesern untersucht wird. Die Einbeziehung von modernen Medien im Rahmen der Hexenforschung in Afrika ist ein neuerer Ansatz in der Ethnologie (an dieser Stelle sei insbesondere auf die Forschungen zum Thema Videofilm und Hexerei verwiesen: vgl. Meyer 2008, 2010; Austen & Șaul 2010; Haynes 2010). Die vorliegende Forschung stellt sich in diese Tradition und vollzieht in der Fokussierung auf Internetquellen den nächsten konsequenten Schritt, indem das Internet als Quelle für die Religionsforschung geöffnet wird. Internetdiskursen zu diesem Thema wurden bislang kaum erforscht, dabei kommt der menschlichen Kommunikation im Onlinekontext eine immer wichtiger werdende Bedeutung zu, die nicht weiter übersehen werden darf. Als Ergebnis der Forschung sind drei Punkte zu nennen. Der erste bezieht sich auf das, was fürderhin das „Problem der Beobachtung und Projektion“ genannt werden soll. Afrikanische Hexerei befeuerte für lange Zeit die Fantasie europäischer Beobachter und existierte als zentrales Motiv der Idee von ‚Afrika als Kontinent des Anderen‘. Eine Form dieser Betrachtung setzt sich bis in die gegenwärtige Ethnologie fort, wo Hexerei weiterhin als Projektionsfläche fungiert, über welche europäische Diskurse verhandelt werden. Ein Beispiel dafür ist die reduktionistische Einschränkung der Existenz afrikanischer Hexereiphänomene auf die sozialen Folgen des Kapitalismus (vgl. Comaroff & Comaroff 1993:xxxff.; Geschiere 2000). Somit herrscht in der gegenwärtigen Ethnologie, bis auf wenige Ausnahmen die Auffassung, Hexerei sei ein Symptom des sozialen Ungleichgewichts, welches infolge des Kapitalismus auftritt. Unter dem Label der Moderne der Hexerei (Modernity of Witchcraft) wird gezeigt (siehe oben) in welcher Weise afrikanische Phänomene genutzt werden, um die Probleme der Moderne zu verhandeln. Hexerei steht auf diese Weise nicht mehr als Widerspruch zur Moderne – eine Auffassung, die auf die vermeintliche Unvereinbarkeit vom Magischen und Modernen rekurriert – , sondern geht als Protestreaktion auf den Kapitalismus voll in der Moderne auf. Der zweite Punkt nimmt diese Problematik auf und fragt nach einer dezidiert afrikanischen Perspektive auf das Problem der Hexerei. Diese Haltung liefert weitere Unterstützung für die Sammlung genuin afrikanischer Stimmen, die zur Aushandlung und Deutung des Diskurses genutzt werden sollen. Als ein wesentliches Ergebnis sei dabei auf die kritische Haltung dieser Stimmen zum Thema Hexerei verwiesen. Denn entgegen der Auffassung sozialwissenschaftlicher Autoren, die den Widerspruch von Moderne und Hexerei aufzuheben suchen, wird unter den Teilnehmern des Onlinediskurses eben diese Trennung aufrechterhalten. Hexerei und Moderne werden als unvereinbar wahrgenommen. Der dritte Punkt dieser Arbeit entfaltet sich aus diesem kritischen Diskurs und stellt sich in einer tiefgehenden Analyse dar. Es wird gezeigt, dass die Funktion des Konzepts Hexerei in einem signifikanten Rahmen metaphorischer Natur ist. Ich werde demonstrieren, in wie weit die Idee der Hexerei benutzt wird, um das ungerechte und unsoziale Verhalten bestimmter Politiker zu erklären, welche ihre Macht mißbrauchen, um sich auf Kosten der Gemeinschaft zu bereichern. Diese Forschung ist in der Religionswissenschaft untergebracht und ist vornehmlich für das Fachpublikum verfasst, welches ein klares Interesse an den religiösen Aspekten der Hexereidiskurse hat. Mit dieser Grundüberzeugung möchte ich die These stark machen, dass die Opposition zwischen Magie und Moderne, bzw. Rationalität und Irrationalität (selbst wenn dies keine überzeugenden Konzepte im Rahmen wissenschaftlicher Metasprache sind) nicht einfach überlesen werden dürfen, wenn es um die emische Perspektive geht. Mit dem dominanten Paradigma der Moderne der Hexerei, wie oben beschrieben, wird das Phänomen auf einen ‚weltlichen‘ Blickwinkel eingeschränkt, wodurch ein wesentliches Element menschlichem Verhaltens und Kognition vernachlässigt wird: der Glaube an das Übersinnliche. Ich folge Freiberger (2009:21ff.) und unterstreiche den komparativen Aspekt religionswissenschaftlicher Arbeit. Dies fragt nach einem zweiten materiellen Horizont, welcher mit der Forschung aus den gegenwärtigen Onlinediskursen verglichen werden kann. Ein historischer Vergleich soll bemüht werden, wobei der Blickwinkel der Entangled Histories (vgl. Conrad & Randeria 2002) eingenommen werden soll. Durch diesen Vergleich kann gezeigt werden, dass die gegenwärtigen Diskurse argumentative Ähnlichkeit zu den Reden frühneuzeitlicher europäischer Denker aufweisen, welche den Glauben an Hexen aus konzeptueller sowie theologischer Sicht kritisierten. Auf diese Weise trägt diese Forschungsarbeit weiterhin zur Dekonstruktion von ‚Afrika als Kontinent des Okkulten‘ bei und bereichert die Hexenforschung durch alternative Stimmen.

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Advisor:
Commitee:
School: Universitaet Bayreuth (Germany)
School Location: Germany
Source: DAI-C 81/4(E), Dissertation Abstracts International
Source Type: DISSERTATION
Subjects: Web Studies, Folklore, Cultural anthropology, Sub Saharan Africa Studies, Mass communications
Keywords:
Publication Number: 27603235
ISBN: 9781687916204
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